Alltag & Training: wie Ruhe ansteckend wird

Mein Hund fühlt mich – und reagiert darauf.  Aber warum eigentlich?

Die geheime Superkraft der Mensch-Hund-Verbindung verstehen & im Alltag nutzen

Hunde lesen uns – mit allen Sinnen

Vielleicht hast du das schon erlebt: Du bist gestresst, traurig oder fröhlich – und dein Hund verhält sich plötzlich anders. Das fühlt sich oft so an, als würde er deine Gedanken lesen. In Wirklichkeit passiert etwas sehr Spannendes:

Hunde sind Profis in Wahrnehmung über mehrere Kanäle gleichzeitig (Fachwort: multimodal). Sie nutzen:

  1. Augen → um unseren Körper und unser Gesicht zu beobachten
  2. Ohren → um unsere Stimme zu analysieren
  3. Nase → um emotionale Zustände zu riechen
  4. Erfahrungen → um zu lernen und vorherzusagen, was als Nächstes passiert

Diese Kombination macht sie zu sozialen „Gefühlsdetektiven“.

Die wichtigsten Mechanismen (einfach erklärt)

  1. Körpersprache

Das ist die nonverbale (also wortlose) Kommunikation unseres Körpers:
z. B. Schultern, Atmung, Bewegungen, Muskelspannung oder Gesichtsausdruck.

  • Frontaldruck = wenn wir direkt von vorne auf den Hund zugehen oder ihn anstarren → kann Stress erzeugen.
  • Seitliche Schulter = leicht schräg zum Hund stehen → wirkt für ihn freundlicher und entspannter.
  1. Prosodie

So nennt man den Klang unserer Stimme (Tempo, Lautstärke, Tonhöhe), unabhängig von den Worten.

  • Ruhig, tief, langsam → bedeutet für Hunde: „Alles ist sicher.“
  • Hoch, schnell, gepresst → klingt für Hunde eher nach Stress.
  1. Stressgeruch

Wenn wir emotional sind, verändert sich unser Körpergeruch durch Hormone wie:

  • Cortisol → wird bei Stress ausgeschüttet
  • Adrenalin → entsteht bei Angst oder Hektik

Hunde können das riechen und reagieren darauf.

  1. Social Referencing (soziale Rückversicherung)

In neuen oder unklaren Situationen schaut dein Hund zu dir und fragt – ohne Worte:

„Wie soll ich das jetzt einschätzen?“

Wenn du ruhig bleibst, sagt dein Verhalten: „Es ist sicher.“
Wenn du angespannt bist, denkt dein Hund oft: „Ich muss mich kümmern!“

  1. Co-Regulation

Das bedeutet: Ein Nervensystem beruhigt ein anderes.
So wie Babys sich an der Atmung ihrer Eltern orientieren, orientieren Hunde sich an uns.

Warum ändert mein Hund dann sein Verhalten?

Weil er:

  • deine Körpersignale liest
  • deine Stimme analysiert
  • deinen emotionalen Zustand riecht
  • gelernt hat, dass deine Stimmung etwas ankündigt
  • oder glaubt, er müsse eine Situation für dich lösen

Das ist nicht „Dominanz“, sondern oft: Bindung + Anpassung + Stressbewältigung.

Was kann ich als Halter:in im Alltag tun?

Sofort-Hilfe, die immer funktioniert:

  1. Tief ausatmen (länger aus als ein)
  2. Schultern lockern, Tempo reduzieren
  3. Leine bewusst entspannen (nicht straff halten)
  4. Langsamer und tiefer sprechen
  5. Seitlich statt frontal zum Hund stehen

Du sendest damit die Botschaft:

„Danke, ich übernehme das. Du darfst Hund sein.“

Wie kann ein Training aussehen?

Trainingsprinzip:

Ruhe & Orientierung vor Anforderung

Ein mögliches Trainingsmodell (nicht für jeden Hund gleich, aber für alle sinnvoll):

Ebene 1 – Mensch reguliert sich selbst

  • Atem vertiefen
  • Bewegungen langsamer machen
  • Stimme beruhigen

Ebene 2 – Entlastungssignal einführen

Ein klares, immer gleiches Signal, z. B.:

„Ich mach das.“ oder ein ruhiges Handzeichen

Ebene 3 – Hund darf Verantwortung abgeben

  • Hund nicht in den Reiz schicken
  • Abstand vergrößern
  • Schnüffeln erlauben (senkt Stress)

Ebene 4 – Mini-Trainingsanforderungen

Nur wenn der Hund ansprechbar ist:

  • 2–3 Sekunden Impulskontrolle
  • 3–5 Meter Rückruf
  • 10–20 Meter ruhiges Weitergehen

So lernt der Hund:

„Mein Mensch kümmert sich – ich muss nicht reagieren.“

Ist das bei jedem Hund gleich?

Nein.

Hundetyp Reagiert oft so
Sensible Hunde (Pudel, Aussie, Chihuahua, Corgi) sehr schnell, oft emotional
Robuste Hunde eher Rückzug als Unruhe
Hütehunde übernehmen oft Kontrolle bei Stress
Senioren langsamer, aber nachhaltiger

Training muss individuell angepasst werden – die Basis aber bleibt: Sicherheit + Struktur + Co-Regulation

 

Möchtest du mehr wissen: ruf mich an (+491708106576) oder schreib mir einfach über das Kontaktformular – ich freue mich darauf, dich und deinen Hund kennenzulernen und zu begleiten.